Der Entschluss ist gefasst: Sie möchten eine Paartherapie machen. Und trotzdem zögern viele Paare vor dem ersten Termin. Was erwartet uns dort? Müssen wir vor einer fremden Person streiten? Wird am Ende einer von uns zum Schuldigen erklärt?
Diese Fragen sind völlig normal. In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Paartherapie bei mir abläuft – von der ersten Sitzung über die Übungen zu Hause bis zur Frage, wann Sie wieder ohne Begleitung weitergehen.
Vor der ersten Sitzung: Termin und Vorbereitung
Den ersten Termin vereinbaren Sie telefonisch, per E-Mail oder online. Eine spezielle Vorbereitung brauchen Sie nicht. Hilfreich ist aber, wenn sich jeder von Ihnen vorher kurz überlegt: Was soll sich in unserer Beziehung verändern? Woran würde ich merken, dass sich die Therapie gelohnt hat?
Die Sitzungen finden in meiner Praxis in Safenwil (Aargau) statt oder als Online-Paartherapie per Videocall. Beides funktioniert gleich gut – entscheidend ist, dass Sie beide ungestört sprechen können.
Die erste Sitzung: 60 Minuten zu zweit
Wir beginnen nicht mit einem unverbindlichen Vorgespräch, sondern direkt mit der ersten Sitzung. Sie dauert 60 Minuten, und Sie kommen beide zusammen. So höre ich von Anfang an beide Sichtweisen, und keiner von Ihnen muss befürchten, dass hinter seinem Rücken über ihn gesprochen wird.
In der ersten Sitzung mache ich mit Ihnen eine fundierte Situationsanalyse. Typische Fragen sind:
- Was hat Sie dazu bewogen, gerade jetzt Hilfe zu suchen?
- Worüber streiten Sie immer wieder – und wie laufen diese Streits ab?
- Was hat Sie einmal verbunden, und was davon ist heute noch spürbar?
- Was wünscht sich jeder von Ihnen für die Zukunft?
Es kann sein, dass dabei Gefühle hochkommen – Tränen, Ärger oder auch Erleichterung. Das ist gut so. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass beide zu Wort kommen und das Gespräch nicht in die gewohnten Vorwürfe kippt.
Wer ist schuld? Die Frage, um die es nicht geht
Viele Paare befürchten, dass ich als Therapeut am Ende ein Urteil fälle. Das passiert nicht. In einer Beziehung entstehen Probleme fast immer im Zusammenspiel: Einer zieht sich zurück, der andere wird lauter – und beide fühlen sich missverstanden. Ich schaue nicht darauf, wer angefangen hat, sondern darauf, welches Muster zwischen Ihnen abläuft und wie Sie es gemeinsam verändern können.
Nach der ersten Sitzung: Ihre Analyse per E-Mail
Nach der ersten Sitzung erhalten Sie von mir meine Einschätzung per E-Mail: Was ich als Kern Ihrer Schwierigkeiten sehe, welche Stärken Ihre Beziehung hat und welchen Weg ich Ihnen vorschlage. So haben Sie etwas Schriftliches in der Hand und können in Ruhe gemeinsam entscheiden, ob und wie Sie weitermachen möchten.
Eine Mindestanzahl Sitzungen gibt es nicht. Sie entscheiden nach jeder Sitzung, ob es weitergeht.
Die weiteren Sitzungen: an konkreten Themen arbeiten
In den folgenden Sitzungen arbeiten wir an den Themen, die für Sie im Vordergrund stehen – zum Beispiel:
- besser miteinander reden, ohne dass jedes Gespräch eskaliert (mehr dazu im Beitrag Kommunikation in der Partnerschaft)
- verletzende Erfahrungen aufarbeiten, etwa nach einer Affäre
- Nähe und Sexualität wiederfinden (siehe Sexualität in der Paartherapie)
- gemeinsame Entscheidungen treffen, etwa zu Familie, Arbeit oder Wohnen
Die Sitzungen dauern ebenfalls 60 Minuten. Wenn es sinnvoll ist, können wir einzelne Sitzungen auf 90 Minuten verlängern.
Hausaufgaben: Was zwischen den Sitzungen passiert
Die eigentliche Veränderung geschieht nicht in meiner Praxis, sondern in Ihrem Alltag. Deshalb gebe ich Ihnen nach den Sitzungen Übungen und Hausaufgaben mit – zum Beispiel ein festes Gespräch pro Woche nach klaren Regeln, eine Übung, um in Streitsituationen rechtzeitig auszusteigen, oder kleine Rituale, die wieder Nähe schaffen.
Diese Übungen sind kurz und alltagstauglich. In der nächsten Sitzung schauen wir gemeinsam an, was funktioniert hat und was nicht. Wer schon vorher etwas ausprobieren möchte, findet einen guten Einstieg in meinen kostenlosen Sofort-Übungen für Paare.
Wie lange dauert eine Paartherapie?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Paare brauchen nur wenige Sitzungen, um aus einem festgefahrenen Muster herauszufinden. Andere arbeiten über mehrere Monate an tieferen Themen. Meist liegen zu Beginn ein bis zwei Wochen zwischen den Sitzungen, später werden die Abstände grösser. Ziel ist immer, dass Sie wieder ohne Begleitung gut miteinander zurechtkommen.
Was eine Sitzung kostet und ob sich die Krankenkasse beteiligt, lesen Sie im Beitrag Was kostet Paartherapie in der Schweiz – und zahlt die Krankenkasse?
Häufige Fragen zum Ablauf
Was ist, wenn mein Partner nicht mitkommen möchte?
Dann können Sie auch allein beginnen. In einer psychologischen Beratung klären wir Ihre Sicht und überlegen, wie Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin für den gemeinsamen Weg gewinnen können.
Bleibt alles vertraulich?
Ja. Alles, was in den Sitzungen besprochen wird, bleibt unter uns.
Was, wenn wir merken, dass wir uns trennen wollen?
Auch das kann ein Ergebnis sein. Dann begleite ich Sie dabei, die Trennung möglichst fair und respektvoll zu gestalten – besonders wichtig, wenn Kinder betroffen sind.
Ihr erster Schritt
Der schwierigste Teil ist oft, den ersten Termin zu vereinbaren. Danach wird vieles leichter, weil Sie nicht mehr allein mit Ihren Fragen sind. Vereinbaren Sie jetzt Ihre erste Sitzung – in Safenwil oder online.

